ASSOCIATION SUISSE DES MUSICIENS
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Die Südostschweiz; 27.05.2008; Seite 11

Südostschweiz Graubünden Kultur Region

«Neue» Musik an ehrwürdigen Orten

Erstmals fand am Wochenende das Schweizerische Tonkünstlerfest in Graubünden statt. Zu den Musikern, die sich den Angereisten an verschiedenen Orten präsentierten, gehörte auch das Churer Ensemble Ö!. Dieses spielte am Sonntag in der Kirche Sogn Gieri bei Rhäzüns Werke des 20. Jahrhunderts, aber auch von Bach - dessen Musik erst Jahrhunderte nach dem Bau von Sogn Gieri entstand.

 

 

Die Südostschweiz; 21.05.2008; Seite 10

Südostschweiz Graubünden Kultur Region

Vier Tonkünstler-Formationen laden zu öffentlichen Konzerten

Das traditionsreiche Tonkünstlerfest findet heuer erstmals in Graubünden statt. Am Wochenende geben vier Ensembles ein Konzert.

Unter dem Titel «Fra l'altro - Zwischensaison» werden am Wochenende in Chur, Savognin, Alvaschein und in Rhäzüns vier öffentliche Konzerte aufgeführt. Auf dem Programm stehen Auftritte vom Swiss Improvisers Orchestra (Samstag, 14.30 Uhr, Hotel «Marsöl», Chur), von der Compagnie CH.AU (Samstag, 19.30 Uhr, Kirche St. Martin, Savognin), vom Vokalensemble Zürich (Sonntag, 11 Uhr, Kirche St. Peter Mistail, Alvaschein) sowie von der Bündner Formation Ensemble Ö! (Sonntag, 15 Uhr, Kirche Sogn Gieri, Rhäzüns).

Der Anlass soll auch dazu genutzt werden, das Aufeinandertreffen der vier Schweizer Sprachregionen zu ermöglichen - auf einer kulturellen Reise, die mehr als nur Musik beinhaltet. Teil des Festivals sind darum auch Besichtigungen, Spaziergänge und ein festliches Diner. Von Chur aus geht die Fahrt am Samstag nach Savognin zur Burg Riom, nach Tiefencastel, Mistail und Rhäzüns. Als «Reiseleiter» steht niemand Geringeres als Giovanni Netzer bereit, seineszeichens Intendant des Origen-Kulturfestivals. (so)

  

Tages-Anzeiger; 27.05.2008; Seite 46

Kultur GES TONKÜNSTLERFEST

Kulturreise mit Musik

Graubünden. - Längst ist sie zur Tradition geworden, die Diskussion des aktuellen Stands der musikalischen Avantgarde: Seit 108 Jahren trifft sich der Schweizerische Tonkünstlerverein einmal jährlich zum Tonkünstlerfest, das dieses Jahr als 29-stündige Reise durch vorwiegend romanischsprachige Regionen Graubündens führte.

In die frühromanische Kirche St. Peter in Mistail zum Beispiel, einen abgeschiedenen Sakralbau aus dem 8. Jahrhundert unweit von Tiefencastel. Fünf Jahrhunderte nach Errichtung dieser Kirche wurde der Habsburger König Albrecht auf offenem Feld bei Windisch ermordet, und dieses Geschehnis vom 1. Mai 1308 ist Ausgangspunkt von Alfred Zimmerlins drastischer Komposition «Über das Wasser», der Schauspielmusik zum Musik- und Tanztheater «Albrecht - ein Königsmord in Habsburg», das im Sommer an den Königsfelder Festspielen uraufgeführt wird. Das «Vokalensemble Zürich» brachte die konzertante Version in Mistail zur Uraufführung, durchsetzt mit Musik aus dem Mittelalter, die Zimmerlin durch vielschichtige Bezugnahmen eng mit seiner eigenen Musik verwebt.

Das Churer Ensemble ö!, dessen Name als einfache Lösung der unseligen Unterscheidung zwischen E- und U-Musik verstanden werden darf, schaute über die Grenzen der Schweiz hinaus: Die Kontrabassorgie «Theraps» von Iannis Xenakis (grandios gespielt von Daniel Sailer) eröffnete das Konzert in der hochmittleralterlichen Kirche St. Georg in Rhäzüns, die vollständig mit Fresken bemalt ist, aus denen ein eigenwilliges Kompendium der Bibel ebenso herauszulesen ist wie eines des nicht weniger eigenwilligen Weltbildes der Talschaft.

Bearbeitungen von Johann Sebastian Bachs zweistimmigen Inventionen standen dann zwischen Musik von Giacinto Scelsi, Isabel Mundry und Patrick Frank, der in seiner «Studie I zum Jetzt-Möglichen» den Moment gekommen sieht, fassliche Strukturen und historisch belastetes musikalisches Material (wie etwa konsonante Intervalle) dem Tabu zu entreissen, mit dem es von der alten Avantgarde belegt wurde. Ein gelungenes Werk, das auch ohne den gedanklichen Überbau bestens funktioniert.

In der Barockkirche St. Martin oberhalb von Savognin gab es zu hören, was von einem Tonkünstlerfest am ehesten zu erwarten ist: eine Werkschau mit Musik von Komponisten mehrerer Generationen: Das hervorragende Ensemble Compagnie CH.AU aus Vevey setzte sieben einminütige Einwürfe zwischen sieben längere Stücke. Gerade die Einwürfe erwiesen sich als besonders pikant, etwa derjenige von Tom Johnson, dem kauzigen Aussenseiter (und vielleicht Hauptvertreter) des amerikanischen Minimalismus.

Gelungen war die Konzeption des Fests als Kulturreise, auf der sich nicht ein Avantgarde-Zirkel in die eigenen Partituren verkriecht. Ein hermetischer Zug blieb dennoch haften, da dabei nicht entschieden wurde, wie weit man sich der Öffentlichkeit zugänglich machen will.

Tobias Rothfahl



 


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